lieblingsgedichte und lieblingstexte, selbstgeschriebene gedichte

andy84
Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.
Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen:
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!
Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!
Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein!
Nein, nicht länger
Kann ich's lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach, nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!
Willst's am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!
Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehen in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.
In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid's gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.

Johann Wolfgang von Goethe
kleineHexe2
Dein bester Freund

Solltest Du Dich einsam fühlen,
verlassen und ganz allein,
solltest Du Hilfe brauchen,
würde gern für Dich da sein.

Sollte Dir an Liebe fehlen,
solltest Du Dich langweilen,
brauchst Du einen zum Reden,
würde mich zu Dir eilen.

Solltest Du eine Schulter brauchen,
um Dich einfach auszuweinen,
brauchst Du etwas Aufmunterung,
ruf mich, ich werde erscheinen.

Der Baufritze
kleineHexe2
"Mit vielen teile deine Freuden,
mit allen Munterkeit und Scherz.
Mit wenig Edlen deine Leiden,
mit Auserwählten nur dein Herz."
JimJoe
Eines meiner Gedichte, die ich gerne hinzugügen möchte. Nicht unbedingt pessimistisch, nicht optimistisch. Ich würde es - wenn überhaupt - unter " seltsam " selbst charakterisieren.



Göterkrallenhände

Erneut verschmelzet in der Brust,
bekannt Gefühl aus bess` rer Laune;
und eine totgeglaubte Lust,
fast hingestorben im Geraune,
alltäglich – trister Händetaten,
soll freigelegtes Saphirschimmern dumpf verschatten!

Ach! Wär` n mir Götterkrallenhände!
Ich riss ein Klaffen tief ins Blau;
Ist` s Wahrheit dann? Ist es Legende:
Ein Qualm würd` quillen – bitter, grau,
und läute Chaos ran und Liebe,
des Menschen größt und zwiefach Diebe,
ist ihnen beiderliches Los seit Anbeginn.

Was gäb ich hin für einen Blick!
Und sei es nur ein Augenschlagen;
Was ließ ich hin für dieses Glück!
Es wär des Zweifelns letzter Tagen,
nachdessen,
Kribbeln mir den Schlaf entbehret,
und ich auf ewig wachen könnte.

Allein mein Fleisch ist` s was mich sperrt,
die Augen - , Nas - , und Ohrenschaft;
sind alter Knorpel, der verwehrt,
die alles durchgefloss` ne Macht,
der namenlosen Anderswelt –
liegt meinem neunten Sinn verborgen.

Wär ich ein Vogel, wär ich frei.
Hät ich der Arme Leicht und Schwünge;
Mir wär der Welten einerlei,
die Last auch der Gedankenzwünge,
sie wöge nicht das Roggenkorn,
was manchem Vogel schmackhaft ist,
drum höre!
Glücklich bist gebor` n,
als Lebewesen, das vergisst.
kleineHexe2
Eins - lernt man im Leben doch: entbehren,
und ganz gewiß - ob früh oder spät -
des jungen Herzens ungestümes Gähren -
vergeht.

Dann sieht man tränenlos auf mancher Bahre,
lernt mählich Teures missen - und versteht,
das auch der größte Schmerz im Laufe der Jahre -
vergeht.

frühes Gedicht, 1894 rilke
kali
hier ein klassiker den ich durch mein kobold entdeckt habe... durch pusteblume..lernte er viel vom moor und dieses gedicht gefiehl ihm sehr....
Annette von Droste-Hülshoff




Der Knabe im Moor

O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt, als ob man es jage;
Hohl über die Fläche sauset der Wind -
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre,
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,
Das ist die gebannte Spinnlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf,
Voran, als woll' es ihn holen;
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
»Ho, ho, meine arme Seele!«
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär' nicht Schutzengel in seiner Näh',
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwehle.

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben, neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war's fürchterlich,
O schaurig war's in der Heide!
kali
Sterne und Träume
Weißt Du noch,
wie ich Dir die Sterne vom Himmel
holen wollte,
um uns einen Traum zu erfüllen?
Aber
Du meintest,
sie hingen viel zu hoch ...!
Gestern
streckte ich mich zufällig
dem Himmel entgegen,
und ein Stern fiel
in meine Hand hinein.
Er war noch warm
und zeigte mir,
daß Träume vielleicht nicht sofort
in Erfüllung gehen;
aber irgendwann ...?!

- Markus Bomhard -
JimJoe
Da sun direkt danach fragte heute und ich auch selber gerne meine Gedichte veräußer ... hier ein weiteres:


Leicht

Du machst es leicht
Du bist ohne Sorgen noch,
und wartest.

Du liebst es leicht,
das Leben;
und rufst noch laut nach leichtem Licht,
an meiner Schulter alt.

Du hast noch leichtes Säuseln dort,
wo Dein Lächeln Luft verzimt,
versüßt.

Du empfindest leicht, ach,
was ich verfand so arg;
und Schmutz und Schwarz,
an meinen Füßen bar und spröd.

Du kritzeltst, kitzeltst leicht, ach,
Dein Streichel - Gestricheltes,
an meinder müden Stirn,
mit Falten mir zu tief und trauer - streng.

Du kennst noch das Schmiegen
und hälst mich wie einen Strauch
im Porzellankrug fest.

Halt mich noch so leicht
nur eine kleine Weile;
und gib mir zweimal noch-
und schenk mir nach:

Dein leichtes Wasser.
kleineHexe2
Das Leben lieben, am Schönen
sich freun, die Zeit genissen und
nicht bereuen. An Gutes glauben
und niemals verzagen, alles im
Leben humorvoll ertragen.
So sollt ihr es machen und macht
ihr es so, dann bleibt ihr noch
lange gesund und froh.
kali
Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: "Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?"

Da antwortete er: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."

Margaret Fishback Powers


HET GESCHENK das geschenk

I

er zog die schublade auf,
der knabe neben ihm,
und sah die uhr dort liegen:
"ach, grossvater, schenkst du sie mir?"

" einst werde ich sie dir geben.
Nächstes jahr vllt,
wenn du lieb und artig bist"
sagte der alte, wir werden sehen."

"nächstes jahr! so sprach der knabe,
Oh grossvater, du könntest dann
schon lange tod sein;
Du bist so krank und schon so alt!"
Der alte mann stand da und
grübelte "es ist schon war,"
und seine schlanken händen
steichelten des kindes haar.
er nam die silberne uhr.
die schwere kette dazu.
legte sie in die kleine hände.
"sie gehörte deinen vater," sprach er

II

da war ein grab gegraben;
die schüler standen da,


ein kühler morgenwind
umspielte sanft seine grauen haare.
der kleine sarg sank langsam runter
armer bub, wer hatte das gedacht!

der alte vater weinte sehr,
legte zuhause
die silberne uhr zurrück
in die alte schublade:



eines meine lieblingsgedichte... habe versucht es zu übersetzen ich hoffe ihr spürt trotzdem die traurigkeit in diesem gedicht....
oli
Ich kenne ein ähnliches Gedicht von Margaret Fishback Powers



Deine Spur im Sand


Tag für Tag wolltest du bei mir sein,

Ich glaubte mich in deiner Hand.

Dann holten mich meine Zweifel ein,

Ich bin den Weg zurückgerannt.

Ich erinnerte mich an das Meer,

Ich war gefallen dort am Strand.

Dort fand ich unsre Spur und folgte ihr,

Bis ich an jener Stelle stand.


Wo bist du, Herr, wenn die Nacht sich senkt?

Gib mir doch deine Hand.

Wo bist du, Herr, wenn meine Angst mich lähmt?

Ich seh nur eine Spur im Sand.


Scheinbar gehst du nicht mehr neben mir,

Wenn der Weg ins Dunkel führt.

Du bist da, so dachte ich von dir,

Doch wann hab ich dich je gespürt?

Ich weiß so wenig von der Zeit

Als ich erschöpft am Boden lag.

Doch warum fühl ich keine Müdigkeit,

trotz all der Lasten, die ich trag?


Wo bist du, Herr, wenn die Nacht sich senkt?

Gib mir doch deine Hand.

Wo bist du, Herr, wenn meine Angst mich lähmt?

Ich seh nur eine Spur im Sand.


Damals muß ich eingeschlafen sein,

Ich weiß nicht, ob ich noch Kraft besaß.

Als ich erwachte war ich ganz allein,

Doch lag ich weit vom Meer im Gras.

Wenn ich daran denke frag ich mich,

Wie ich dorthin gekommen bin.

Meine Gedanken streifen dich,

Und Freude füllt meinen Sinn.


Du bist bei mir, wenn die Nacht einbricht,

Ich ruhe in deiner Hand.

In deinen Armen schlafend trägst du mich.

Ich sehe deine Spur im Sand.


Du bist bei mir wenn die Nacht einbricht,

Ich ruhe in deiner Hand.

In deinen Armen schlafend trägst du mich.

Ich sehe deine Spur im Sand.
oli
Das ist eins meiner Lieblingsgedichte

G e i s t e r s t u n d e

(Alpträume nach Mitternacht)

00:01

Plötzlich sind sie da,
tanzen um mich herum,
sehen auf mich herab,
mit vorwurfsvollen Augen.

"Was hast du uns angetan?
Waren wir es dir nicht wert,
um uns zu kämpfen?"

Und ich weiß nicht,
was ich ihnen sagen soll.
Ihnen, geschaffen von mir
und dann allein gelassen...

Träume,
nur geträumt,
nicht gelebt.

00:02

Lüg mich an,
sag mir,
wie sehr du mich liebst
dass du ohne mich
nicht leben kannst

...und betrüge mich weiter.

Denn mit Lügen
kann ich leichter leben
als mit der Wahrheit.
Also bitte,
leg dich neben mich
und lüge, lüge,
lüge...

00:03

Du warst nur
ein Spielzeug für ihn,
immer für ihn da,
wenn er dich wollte,
schmückendes Beiwerk
an seiner Seite.

Du hast dich aufgegeben,
nach seinem Bild geformt,
immer für ihn da,
wie er dich wollte,
nicht mehr du selbst,
nur noch sein Schatten.

Irgendwann langweilig für ihn,
und nun bist du allein,
noch immer für ihn da,
obwohl er dich nicht mehr wollte,
Benutzt, misssbraucht
und weggeworfen...

...und immer noch verliebt.

00:04

Du sitzt neben mir,
redest,
sagst aber nichts,
Small Talk,
der um unsere sterbenden Gefühle
einen großen Bogen macht.

Irgendwann
sitze ich nur noch neben uns,
schaue zu,
wie wir mit Nichtigkeiten
den Schmerz vertiefen,
der in uns ist.

Und zum Schluss
bin ich froh,
dass deine Umarmung
nur noch den Wunsch auslöst,
ihr so schnell wie möglich
zu entrinnen.

00:05

Die Sonne geht unter,
langsam kehrt Ruhe ein
in der Stadt.

Einsam laufe ich
die leeren Straßen entlang,
nur hin und wieder sehe ich
ein paar Ratten und Krähen.

Sie zerren an Kadavern,
erfreut über die Menge an Nahrung,
jetzt, so mitten im Winter.

Leichen, erlegt von Tieren,
die ihresgleichen sinnlos töten,
die Aas verschmähen,
und sich selber Menschen nennen.

Grosny, Winter 2000
(Ort und Zeit nahezu beliebig
austauschbar)

00:06

Meine Tränen sind versiegt,
ich lache sogar wieder,
wenn wir uns begegnen.
Doch glaube nicht,
dass ich dich
deshalb weniger liebe.

Ich habe nur gelernt,
mit meinen Schmerzen umzugehen,
habe meine Hoffnungen
in eine Kassette gelegt,
zusammen mit einem Bild von dir
und einem Stück von meinem Herzen,
um sie dann in meinem Garten
zu begraben.

Manchmal bin ich versucht,
alles wieder auszubuddeln,
doch ich fühle,
dass jeder Spatenstich
mitten in dein Herz treffen würde.
Und ein kaputtes Herz
ist schon eins zuviel.

00:07

Jede Nacht sind sie unterwegs,
die Vampire des neuen Millenniums
Sie verbeißen sich nicht mehr in Hälse,
Webseiten sind ihr Ziel.
Sie vergraben ihre Zähne darin,
saugen unser Herzblut aus ihnen,
entreißen unsere Gedanken.
Um sie dann, Zombies gleich,
irgendwo wieder auferstehen zu lassen,
schön anzusehen,
aber nur leere Hüllen,
ohne Seele.

00:08

Allein am Boden,
umringt von ihnen,
Stiefel,
die sich in meinen Magen bohren,
ein Baseballschläger,
alles um mich herum wird schwarz...

Schweißgebadet erwache ich
aus meinem Traum,
sehe in den Spiegel,
blond, blauäugig,
und schlafe beruhigt weiter...

00:09

"Wolltest du nicht diese Woche staubsaugen?"

Eine Frage,
vielleicht nicht mal ein Vorwurf,
falsch verstanden,
ein Wort
ergab das andere
und plötzlich
lagen statt eines Staubkorns
Welten zwischen uns.

00:10

Wir haben uns erst verstanden,
als wir uns
nicht mehr verstehen wollten,
waren erst einer Meinung,
als wir keinen Wert mehr
auf die Meinung des anderen legten,
trafen die gleiche Entscheidung für uns,
als das für uns
nicht mehr entscheidend war.

Fanden unseren Weg,
jeder für sich,
allein...

...weg voneinander.

Das geht noch viel weiter aber glaube dann wirds zu lang...
JimJoe
Würde mich mal interessieren, wer hier überhaupt selber " schreiberisch " tätig ist. Da bin ich sicher nicht der einzige ...
JimJoe
Drei kleine Gedichte von mir. Bekannterweise liegt auch in der Kürze die Würze. Und bei der Lyrik besonders .


Drinks

Ich dachte gestern an Dich.
Da pflückte ich zu Deinem Gedenken
die Sonne ab,
und drückte frei mir ihrer Saft
ins Glas.

„ Prosit, mein Herz,
so schmeckt nur Deine Haut! „


Franz II ( Der Nekromant )

Nacht,
Du schwarze Götterhand,
Du größter Schatten dieser Welt;
Der böse Franz,
ein Nekromant,
den frischen Grabesschmuck entstellt;
und auf dem heilig Leichenplatz,
entspringt ihm Wort um Wort der Lippe,
denn hier ruht schlicht der schönste Schatz:
Vor seinen Füßen das Gerippe.

„ Fließet, Kräfte der Magie,
durchzieht Gelenke und die Knie;
mit Leben ich den Knochen tränke! „
beschwöret er im Mondenschein,
ein Zucken durch das weiß Gebein …


Entsagung dem Apoll

Laßt mich von den Göttern,
dem Leben
und der Welt erzählen;
wisst Ihr das Dionysos den Rausch erfand
und ihn dem Menschen gab?
Habt Ihr die Riten vergessen?
Das sinnliche Gefühl des Irrseins,
den Tanz und die Feste auf den Bergen?

Weinesdurst, Dionysos!
Drum führe uns zu Deinem Schloß;
So sind wir voller Lustbegierde,
der schönen Frauen nackter Zierde …
sun
der Tränenzauberer

eigentlich macht er nichts
er hört dir nur zu
++++
du spürst
er nimmt dich ernst und wahr
du erzählst ihm
was dich bewegt
dein Leid
dein Schmerz
deine Verzweiflung
deine Alpträume
****
wenn er spricht
sind seine Worte wie
flüssige Emotionen
er berührt etwas in dir
deine Seele
und
während du dich ihm
offenbarst
fühlst du es in dir hochsteigen
::::
die Ergriffenheit
die deine Stimmbänder zittern lässt
deine Gesichtsmuskeln verhärtet
~~~~
bis
du weich wirst
und die Tränen fließen
und die Last von dir fällt
ein kleines bisschen
oder auch mehr
du weinst
und siehst ihn an
@@@@
er ist der
Tränenzauberer

von Rainer Grotehen
JimJoe
Schönes Gedicht, sun. Ich mag es sehr. Hier noch eines von mir. Vielleicht aus gegebenen Anlaß. Vielleicht aus ewigem Anlaß ...



Lebensuhr

Ist alles was der Seele quickt,
und unser Herzen Freude lacht;
sobald es in den Morgen rückt,
mit stetigem Verfall bedacht?

In dieser ich die Liebe fand,
sie ruhet nun in grauer Gruft;
vom Weltenbild sie ist entschwand,
unreichbar tiefe Todesschluft.

Mein Herz wiegt schwer,
ich stehe stille;
ihr Blick so leer,
dem Götterwille.

Das Unrecht das ich hier erfuhr:
Zu hastig stürmt die Lebensuhr;
Ich schwelge noch im Schreckmoment,
mein Herz glüht auf,
und brennt,
verbrennt.
kleineHexe2
Ich möchte Euch ein paar Zeilen von Gottfried Benn einschreiben


Das Ganze

Im Taumel war ein Teil, ein Teil in Tränen,
in manchen Stunden war ein Schein und mehr,
in diesen Jahren war das Herz, in jenen
waren die Stürme - wessen Stürme - wer?

Niemals im Glücke, selten mit Begleiter,
meistens verschleiert, da es tief geschah,
und alle Ströme liefen wachsend weiter
und alles Außen ward nur innen nah.

Der sah dich hart, der andere sah dich milder,
der wie es ordnet, der wie es zerstört,
doch was sie sahen, das waren halbe Bilder,
da dir das Ganze nur allein gehört.

Im Anfang war es heller, was du wolltest
und zielte vor und war dem Glauben nah,
doch als du dann erblicktest, was du wolltest,
was auf das Ganze steinern niedersah,

da war es kaum ein Glanz und kaum ein Feuer,
in dem dein Blick, der letzte, sich verfing:
ein nacktes Haupt, in Blut, ein Ungeheuer,
an dessen Wimper eine Träne hing.
kleineHexe2
Abschied
von Gottfried Benn

Du fühlst mich an wie Blut die frische Wunde
und rinnst hernieder seine dunkle Spur,
du dehnst dich aus wie Nacht in jener Stunde,
da sich die Matte färbt zur Schattenflur,
du blühst wie Rosen schwer in Gärten allen,
du Einsamkeit aus Alter und Verlust,
du Überleben, wenn die Träume fallen,
zuviel gelitten und zuviel gewußt.

Entfremdet früh dem Wahn der Wirklichkeiten,
versagend sich der schnell gegebenen Welt,
ermüdet von dem Trug der Einzelheiten,
da keine sich dem tiefen Ich gesellt;
nun aus der Tiefe selbst, durch nichts rühren,
und die keine Wort und Zeichen je verrät,
mußt du dein Schweigen nehmen, Abwärtsführen
zu Nacht und Trauer und den Rosen spät.

Manchmal noch denkst du dich-:die eigene Sage-:
das warst du doch-? ach, wie du dich vergaßt !
war das dein Bild? war das nicht deine Frage,
dein Wort, dein Himmelslicht, das du besaßt?
Mein Wort, mein Himmelslicht, dereinst besessen,
mein Wort, mein Himmelslicht, zerstört, vertan --
wem das geschah, der muß sich wohl vergessen
und rührt nicht mehr die alten Stunden an.

Ein letzter Tag -:spätglühend, weite Räume,
ein Wasser führt dich zu entrücktem Ziel,
ein hohes Licht umströmt die alten Bäaume
und schafft im Schatten sich ein Widerspiel,
von Früchten nichts aus Ähren keine Krone
und auch nach Ernten hat er nicht gefragt --
er spielt sein Spiel, und fühlt sein Licht und ohne
Erinnern nieder - alles ist gesagt.
sun
es gibt so viele dinge, die glauben ein gefühl ausdrücken zu können...

Das ist Freundschaft !
Freundschaft heißt geben aber auch nehmen
Verbundenheit in Freud und Leid
Freundschaft gibt
Hoffnung und schenkt auch Glück -
ist Beistand in
Zeiten der Einsamkeit
Freundschaft muß wachsen,
man muß sie pflegen -
durch Offenheit und Ehrlichkeit !
Freundschaft heißt lieben und geliebt zu werden -
beruht
auf Gegenseitigkeit.
Freundschaft erfordert
Verständnis für den anderen -
trotz seiner Schwächen und Fehlbarkeit.
Freundschaft lebt nicht vom Nutzen, sondern von Gefühlen -
von gleichen Gedanken zu gleicher Zeit.
Freundschaft muß hören, Freundschaft muß sehen -
des anderen Freude, Erwartung und Leid.
Sich dem anderen zu öffnen,
mit ihm zu reden,
bereit zu sein ihm einfach zuzuhören.
Für den anderen zu hoffen, mit ihm zu leben,
ihm auf ewig Loyalität zu schwören.
Dem anderen auch dann etwas zu gönnen,
wenn man selbst es dadurch verliert,
Ihn so wie er ist lieben zu können,
einfach nur weil er Dein Herz berührt.
Freundschaft entsteht in Zeiten der Freude,
bewährt sich in Zeiten der Einsamkeit,
und ist es wahre und tiefe
Freundschaft
so wird sie gestärkt in Zeiten des Leids
"Zwei Freunde müssen sich im Herzen ähneln,
in allen anderen können sie dann
auch grundverschieden sein."

die größte offenbarung ist die stílle

horche in dich
und dein spiegel zeigt sich DIR

du bist es,
wer wem etwas vermitteln mag
und kannst nur dich selber,
was du denkst, fühlst,
vermitteln.

nein danke, ich mag deine gedanken gerade nicht,
magst du leben wie du gerade denkst?
Grufti
um auf deine frage zurück zukommen jim ich schreibe selbst gern gedichte aber leider komm ich nur noch selten dazu