Eure Kurzgeschichten im Forum

BlackRose92
@blondi:
mir ist deine geschichte jetzt erst aufgefallen, sorry und ich finde sie voll toll! spannend, traurig und "weltnah", wie kleinehexe es beschreibt. du kannst echt gut schreiben!

lg
blondienchen
danke ja....irgendwie kann ich nur traurige geschichten schreiben keine ahnung das liegt mir einfach mehr ich schreibe gerade an meiner nächsten....ich verrat aba nix
blackberry
ach du auch ich schreib auch lieber traurige geschichten xD
blondienchen
Es begann im Januar. Meine Eltern waren wie jedes Jahr im Januar weg. Verreist, aus geschäftlichen Gründen. Nur ich und mein Kindermädchen waren zu Hause, in meinem kleinen Schloss, einer Villa. Ich konnte mein Kindermädchen noch nie so gut leiden und war wie jedes Jahr empört über meine Eltern, die mich mit ihr allein ließen. Sie sollte auf mich aufpassen, mich mit mir beschäftigen, Hausaufgaben mit mir machen. Aber sie kümmerte sich nie um mich. Ich war niemals mit meinen Freunden draußen, das Telefon belegte das Kindermädchen immer. Später bekam ich dann den ärger über die hohe Telefonrechnung, glauben wollte mir ja keiner. Ich sollte einfach nur funktionieren, einfach meine Hausaufgaben machen, Spitzennoten in der Schule bekommen und mich den Jungen bloß nicht nähern. Deshalb habe ich Privatunterricht. Zuhause, im Wohnzimmer.
Es ist nicht so, dass meine Eltern nie etwas mit mir machen würden, nein, aber sie sind halt sehr eingeschränkt, durch ihren Beruf. Und da mein Kindermädchen nie auf mich aufpasste, machte ich mich auf den Weg nach draußen. Ich blickte noch ein letztes mal zurück, ehe ich weiterging. Das Kindermädchen war auf dem Sofa eingeschlafen. Ich schätzte ein, wielange ich Zeit hätte, ich kannte ja die Schlafenszeiten von ihr. Mein Geld hatte ich natürlich mitgenommen. Ich wollte nur einmal in meinem Leben so richtig shoppen, wie mir meine Brieffreundin erzählt. Einfach einmal nur Geld ausgeben, sich eine Freude machen. Doch als ich das erste Shirt gekauft hatte, fühlte ich mich nicht besser. Klar, es war ein schönes Shirt, mit tiefem Ausschnitt, dass ich aber nur für mich haben wollte, dass niemand außer mir sehen durfte. Schnell nahm ich die Einkaufstüte und ging weiter in den nächsten Laden. So ging es weiter, bis ich mir ein sexy Outfit zusammengestellt hatte, nur für mich. Ich fühlte mich besser, doch dann sah ich auf die Uhr und wusste, dass ich wieder nach Hause musste.
blondienchen
Ich schlich mich wieder in mein Zimmer. Warf die Einkaufstaschen in meinem Schrank und schleuderte meine Jacke hinterher, da kam auch schon das Kindermädchen und fragte wo ich gewesen sei. Ich sagte das ich draußen war, bei meinem Beet um zu gucken, ob schon wieder eine Pflanze wuchs und hoffte das sie mir glauben würde. Sie guckte mich bloß komisch an, ging dann wieder aus meinem Zimmer, wieder nach unten auf das Sofa. Ich fühlte mich großartig. Es machte irgenwie Spaß, das Kindermädchen an der Nase herumzuführen. Dann schloss ich ab, um endlich meine neuen Sachen anzuprobieren.
Ich betrachtete mich vor dem Spiegel. Da stand ich, mit ultra-kurzem Rock, dem Shirt mit tiefem Ausschnitt, dem Schmuck und den Schuhen, mit den hohen Absätzen. Ich fand mich schön, schaute in meine tiefblauen Augen. Dann ging ich in mein Badezimmer, mein ganz eigenes. Dort hatte ich ein Geheimversteck, bewarte darin meine Schminksachen auf, obwohl ich das nicht durfte. Ich zog den ersten Strich, einen schwarzen Strich. Ich fühlte mich besser als je zuvor. Als ich fertig war, hätte ich locker zu einer Party gehen können.
Es klopfte an der Tür. Ich blieb stumm, tat so als wenn ich schliefe. Zum Glück ging das Kindermädchen wieder weg, ich wollte meine Ruhe haben. Ein paar Minuten später hatte ich mich auch schon mit meiner neuen Digitalkamera fotografiert, setzte mich an meinen Computer und stellte die Bilder in einen Ordner. Dann schaltete ich ihn wieder aus, zog mich um, schminkte mich ab und ging schlafen.
Mein Wecker klingelte. Es war Zeit sich für den Unterricht fertig zu machen. Also stand ich auf, wusch mich, dachte ich könnte frühstücken. Doch als ich die Treppe runterging, in Richtung Wohnzimmer, wollte ich meinen Augen nicht trauen. Alle Schränke waren aufgerissen, das ganze Zimmer verwüstet. Der Fernseher lief noch, das Kindermädchen lag blutüberströmt am Boden. Ich wollte sie anfassen, erwartete ein Lebenszeichen, doch dann legte sich eine Hand auf meine Schulter...
Ich schreckte aus dem Schlaf, dem Alptraum. Alles sei gut, sagte ich mir, ging aber vorsichtshalber bewaffnet mit meiner Nachttischlampe aus meinem Zimmer in Richtung Wohnzimmer. Alles schien in Ordnung zu sein. Bloß eine Akte lag auf dem Boden. War das Zufall? Mein Name stand darauf. Begierig fing ich an sie aufzuschlagen.
" Name: Schiro, Monika
geboren am: 22.02.1992"
Ich las alles durch, bis zu meiner Geburtsurkunde. Dann traf mich der Schlag. Als ich weiter umblätterte, fand ich eine Adoptionsurkunde. Ich wurde von meinen Eltern adoptiert. War es der Grund, dass meine Eltern kaum Zeit für mich hatten? Was war mit meiner Richtigen Mutter? Wieso? Warum ich?
Ich rannte nach oben, stopfte eine Reisetasche voll von meinen Klamotten, darunter meine neuen. Ich wollte weg, einfach nur weg, ich wollte Antworten auf meien Frage, ich hatte Wut. Das Kindermädchen schlief imemr noch auf dem Sofa. Ich hatte sie die längste Zeit ertragen müssen. Ich nahm mir noch Geld, aus dem Schrank, wo ich zur Not auch Geld entnhmen konnte. Er war abgeschlossen, doch ich hatte ja einen Schlüssel den mir Papa jedesmal gab, als sie wegfuhren. Doch es war nicht mein Vater, ich musste alles vergessen. Einfach weg, raus aus meinem Schloss, das mein Zuhause gewesen ist. Dann rannte ich zur Tür, schlug sie hinter mir zu.
Gedankenverloren sah ich aus dem Fenster des Zuges. Ich wollte einfach nur Zeit verbringen, mich ablenken. Ich saß allein in dem Abteil, bis jemand kam und fragte, ob er sich setzen dürfe. Ich sah auf, erblickte wunderschöne, braune Augen eines Jungen,etwa in meinem Alter. Auch er trug eine Reisetasche bei sich. Ich bejahte stotternd.
blondienchen
Wie sich nach einiger Zeit herausstellte, hieß dieser Junge Toni, war 15 Jahre alt und war alleine unterwegs, warum, wollte er nicht sagen. Ich sah aus dem Fenster, bis ein Kontrolleur kam, uns nach den Fahrkarten fragte. Ich zeigte ihm meine, doch Toni, mit hochrotem Kopf, sah nach unten und stotterte, das er keine Fahrkarte habe. Traurig sah er mich an, ging, die Hand des Kontrolleurs im Nacken, davon. Er redete wütend auf Toni ein, er tat mir Leid. Der Zug hielt. Toni wurde prompt aus dem Zug geworfen, der Kontrolleur sah ihn gehässig dabei an. Ich schaute traurig in seine Augen, saß im Zuginneren und wie eine Wand die Streiche spielen wollte und alle Freude nahm, schien das Fenster. Ein paar Sekunden später stand ich, mit meiner Reisetasche, neben Toni auf dem Bahnsteig, als der Zug anfuhr und ich dem Kontrolleur ein "deutliches Zeichen" meiner Abneigung gegen ihn gab. Er lief puterrot an, protestierte, doch bei der nächsten Kurve war er verschwunden.
Ich zuckte die Schultern, als mich Toni fragte, warum ich das getan hätte, wir schlenderten gerade vom Bahnhof. Es war kalt. Trotzdem war ich überglücklich, wusste nicht wieso. Doch wir hatten weder ausreichend Geld, noch Arbeit. Und da mein Geldvorrat schnell zur Neige gehen würde und Toni, wie ich annahm, überhaupt kein Geld hatte, würden wir uns auch keine Nahrung besorgen können. Nach peinlicher Stille fragte ich Toni, warum er keine Fahrkarte gehabt hätte. Er sagte nur, dass er Geld sparen wollte. Mir lag, seit ich mit ihm ins Gespräch gekommen war, eine Frage auf der Zunge, doch ich hütete sie. Wir kannten uns noch nicht einmal richtig, er würde ohnehin nur beleidigt sein und mich vielleicht sogar alleine lassen. Das wollte ich nicht. Ich wollte viel lieber bei diesem wunderschönen Jungen bleiben, fühlte mich sicher bei ihm, hatte jedoch auch gleichzeitig Angst da meine angeblichen Eltern jeglichen Kontakt des anderen Geschlechts mit mir vermieden haben. Doch das sollte sich ändern.
Seit drei Tagen waren wir nun schon unterwegs, verstanden uns prima. Wir hatten immer einen warmen Schlafplatz gefunden. Gerade saßen wir an einer Haltestelle, unterhielten uns, und ich fand, es war der richtige Zeitpunkt, zu fragen, warum er alleine unterwegs sei, da ich meine Situation erklärt hatte. Er schwieg erst ein paar Sekunden, erzählte mir dann aber doch das seine Mutter spurlos verschwand, sein Vater Alkoholiker sei und der Vater seine kleine Schwester in ein Heim gegeben habe. Es musste unheimlich wehtun, seine ganze Familie zu verlieren, sie aufzugeben. Doch hatte ich nicht genau das selbe getan? Wurde ich nicht auch hintergangen? Hatte ich überhaupt Familie? Toni schilderte weiter, doch schwieg plötzlich, da sich unsere Blicke trafen. Wir näherten uns langsam und dann drückte Toni ganz sanft seine Lippen auf meine. Es war wunderschön und so etwas hatte ich noch nie erlebt, geschweige denn so etwas für jemanden empfunden. Ich genoss es einfach.

Kommentare wären nett!
blondienchen
Weitere Wochen vergingen. Toni und ich kamen uns immer näher, doch ich war noch nicht so weit wie er, ich wollte noch nicht weitergehen. Natürlich habe ich vieles darüber gelesen, doch ich wusste nicht, was ich tun sollte. Einerseits wollte ich bei Toni bleiben, ihn glücklich machen, doch andererseits hatte ich Angst. Als wir eines Abends keinen Schlafplatz fanden, holte Toni einen Schlafsack aus seinem Rucksack, ich hatte keinen. Er legte sich hinein und mit einem Wink wollte er, dass ich mich neben ihn lege. Ich gehorchte. Ich war aber so müde, dass ich sofort einschlief.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, hatte Toni seinen Arm um mich gelegt. Es war eiskalt, ich zitterte, hielt die Kälte kaum aus, als ich aus dem Schlafsack schlüpfte. Ich nahm einen komischen Geruch war und als ich auf Toni sah, traf mich der Schlag. Er sah total krank aus, doch als ich ihn weckte, versicherte er mir, dass es ihm gut ginge. Ich war immer noch beunruhigt, was war mit ihm geschehen? Wenig später waren wir auf dem Weg zu den Duschhäusern, die, wie man uns sagte, kostenlos seien. Okay sie waren wirklich kostenlos, dafür aber ziemlich verdreckt und als ich fertig war, fühlte ich mich eher schmutzig als sauber. Toni jedenfalls schien es gut zu gehen. Er überraschte mich mit einem kleinen Frühstück, bestehend aus einem Schokocroissant und einer kleinen Flasche Milch. Ich freute mich sehr, da ich so etwas schon lange nicht mehr gegessen hatte.
Am Abend schlug Toni vor, etwas zu unternehmen. Ich dachte sofort an mein Outfit, als Toni eine Disco vorschlug. Ich stimmte zu, freute mich, sagte, dass ich aber vorher noch etwas machen müsse. Er war einverstanden und so gingen wir durch die Stadt, ich wusste nicht einmal, wo wir waren. Doch es war mir gleich, ich war glücklich und das zählte zu diesem Zeitpunkt für mich. Als es dann langsam dunkel wurde, sagte ich Toni das ich kurz auf die Toilette müsse. Also gingen wir in ein kleines Geschäft und ich dann in Richtung Toiletten. Natürlich zog ich mir meine sexy Klamotten an, schminkte mich, überraschte tatsächlich Toni damit. Er war überwältigt, ich stolz auf mich. Also stolzierten wir dann in eine Disco, tanzten, hatten Spaß, doch seit ich mein erstes Getränk ausgetrunken hatte, wurde mir komisch zumute. Toni zog mich sanft in eine Ecke, begann mich zu küssen. Ich wollte nicht, konnte mich aber nicht wehren. Was dann geschah möchte ich nicht weiter erläutern.
Ich fühlte mich schrecklich, hatte Schmerzen und übergab mich am nächsten Tag. Ich konnte mich nur dunkel erinnern, was am letzten Abend geschah. Doch eines war sicher, ich hatte irgendein Medikament oder Drogen verabreicht bekommen. Würde Toni so etwas tun? Er war doch aber immer so lieb zu mir oder täuschte ich mich? Jedenfalls gingen wir an diesem Abend wieder in diese Diso. Ich nahm mir vor, nichts zu trinken. Doch Toni bot mir ein Stück Pizza an, was ich natürlich nicht ablehnte und dann ging es wieder los mit diesem komischem Gefühl. Ich wollte raus, doch Toni hielt mich wieder fest, zog mich wieder in die gleiche Ecke, doch diesmal gab ich ihm ein deutliches Zeichen, das ich nicht wollte. Er respektierte das, dachte ich. Denn kurze Zeit später bot er mir etwas zu Trinken an, danach hatte ich einen kompletten Filmriss.
Ich weiß nicht, wielange das so weiter ging. Ich fand aber an einem Tag eine Zeitung, mit einem Bild von mir auf der Titelseite. Neugierig fing ich an zu lesen, brach in Tränen aus, als ich fertig war. Meine Eltern suchten mich verzweifelt, seit zwei Monaten! Ich fühlte mich richtig schlecht, wie hatte ich meinen Eltern das antuen können? Okay, sie waren nicht meine wirklichen Eltern und doch liebten sie mich, hatten sich viele Jahre um mich gekümmert. Ich kratzte mein letztes Geld zusammen, ging zur nächst-besten Telefonzelle, rief meine Mutter an. Mit verweinter Stimme fragte sie, wer am Telefon sei. Ich traute mich erst nicht zu antworten, sagte dann aber doch etwas. Meine Mutter konnte es vor Glück kaum fassen, das hatte ich an ihrer Stimme erkannt. Sie fragte immer, wo ich sei, mit einen Spatz dahinter, wie sich mich immer nannte. Ich sagte, das ich es nicht weiß, das ich kein Geld mehr hätte um nochmals anzurufen. Doch dann sah ich nochmals auf die Zeitung. Jesteburger Morgenblatt stand darauf. Das teilte ich meiner Mutter mit.
Ich sah Toni ein letztes mal nach, er suchte mich, doch ich lief weg, zur Polizei, erklärte meine Lage. Sie informierten meine Mutter nochmals. Drei Stunden später schloss sie mich weinend in ihre Arme. Ich war überglücklich, fragte mich nochmals wie ich das jemals tun konnte.
Nach etlichen Monaten, vielen Gesprächen und schlimmen Entzugserscheinungen, habe ich mein Leben wieder einigermaßen im Griff. Von Toni habe ich nie wieder etwas gehört. Das ist auch gut so.
kali
gute geschichte ...könnte hier und da bisle weiter ausgeweitet werden... kleine erklärung wieso sie entzug machen müsste...aber sonnst klasse geschichte... geht sie noch weiter??
blondienchen
entzug weil sie jeden tag drogen verabreicht bekam^^ nein eiegntlich wollte ich die geschichte so lassen...aber mir ist kein passender schluss eingefallen.. ich fand den einfach so okay aber anscheinend muss ich den veränern gg
kali
nein musst du nicht es ist deine geschichte... war nur meine bescheidene meinung
blondienchen
ja aber wenn man nicht erkennt das es der schluss ist? ich glaub da ist ne veränderung nötig
polarprinzessin
ich find deine geschichte eigentlich ganz gelungen, aber eins find ich nen bissl verwirrend. es scheint ja, als ob das mädchen schon etwas älter ist (wegen outfit, schminken, freund etc.), aber es braucht noch ein kindermädchen?
blondienchen
Meine Eltern waren wie jedes Jahr im Januar weg. Verreist, aus geschäftlichen Gründen.

Es kann doch nicht für mehrere wochen ganz alleine bleiben.
geschminkt weil es mal was neues ausprobieren wollte sie durfte ja sowas noch nie wie später geschrieben also nie raus oder so
polarprinzessin
naja hängt vom alter ab.
würde ich meinen
blondienchen
" Name: Schiro, Monika geboren am: 22.02.1992

ich glaube nicht, dass meine mutter mich mit 15 alleine lassen würde für ein paar wochen.
polarprinzessin
meine würde mir aber auch kein kindermädchen engagieren.

wahh.. ich will dir doch auch gar nicht in deine geschichte reinreden
blondienchen
aaaaaalso jetz ma so...die eltern sindja stinkreich sag ichs mal so....vielleicht denken sie ja das es monika nerven würde wenn zum beispiel ihre oma mehrere wochen auf sie aufpasst? natürlich kann sie mal zu besuch kommen oda was weiß ich man könnte in viele richtungen weiterdenken o.O
polarprinzessin
ja das mit dem stinkreich hab ich mir auch grad überlegt

gut, dass wir uns jetzte einig sind
blondienchen
okay schön (faule ausreden hier )
oli
Aaaaalso, diese Geschichte ist zwar nicht von mir selber geschrieben, aber ich denke ich kann sie hier reinstellen und brauch nicht extra nen neuen Thread öffnen. Die Geschichte passt , find ich, ganz gut hier rein und vielleicht hat es ja auch jemand schonmal ähnlich, nicht ganz so krass, erlebt.


Tödliche Chattliebe!!
Sie saß am PC wie fast jeden Abend.
Immer wenn sie nach Hause kam, setzte sie sich an den Computer wählte sich ins Internet ein und blieb so lange drin bis sie ihre Mutter ins bett scheuchte. Aber an diesem Tag war es anders.
Sie hatte sich verliebt. Es verging kaum eine Minute wo sie nicht an ihn dachte.
Sie hatte nur noch seinen Nicknamen im Kopf und seine Beschreibung. Andauend dachte sie darüber nach, wie er wohl aussehen würde. Sie hatten nie so richtig über sich selbst geredet, nie über persönliche Details wie genauer Wohnort oder so. Sie wusste nur, das er in Deutschland wohnte, wie sie selbst, aber etwa 400 km weit entfernt; zu weit zum besuchen. Sie konnte ihm vertrauen, konnte sich loslassen, konnte sich fallen lassen, wenn sie mit ihm chattete, was sie sonst nicht konnte. In real war sie sehr schüchtern, traute sich fast nie etwas zu. Doch im Chat, wenn sie mit ihm sprach, dann konnte sie sich richtig fallen lassen und ihren Gefühlen freien lauf lassen. Doch dass sie sich in ihn verlieben würde daran dachte sie nicht.

Sie hielt es nicht für möglich, sich in einem Chat zu verlieben, doch nun war es passiert; sie konnte nichts mehr dagegen machen. Es vergingen einige Tage. Sie dachte pausenlos an ihn; war schon öfter so nah dran es ihm zu gestehen, aber sie schaffte es nie. Doch dann kam der Tag, an dem sie beschloss es ihm zu sagen. Als sie sich nach der Schule an den PC hockte und in den Chat ging, war er nicht da. Sie watete lange, doch er kam nicht. Sonst war er immer da. Jeden Tag um die selbe Zeit. Doch heute nicht. Sie hatte keine Ahnung was dazwischengekommen war und befürchtete schon das Schlimmste. Und da kam ihr die Idee ihre E –Mails nachzulesen. Sie hatte Post, es war eine Mail von ihm. Als sie den Betreff las, stieg in ihr ein eigenartiges Gefühl in ihrem Bauch...Ein Gefühl, das ihr die Luft wegblieben ließ. Im Betreff stand: Es tut mir leid, ich mag dich nicht.... Sie machte die Mail auf....

Es tut mir leid, ich hätte es dir schon viel eher sagen sollen, hätte es niemals so weit kommen lassen dürfen. Ich bin nicht der, wo denkst. Ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch, kann mit dir ehrlich gesagt nichts anfangen. Ich habe dich die ganze zeit nur verarscht. In Wirklichkeit kann ich dich gar nicht leiden. Du mit deinem ewigen Gejammer, du, mit deiner völlig abartigen sicht zum leben und allem. Ich habe mitgespielt weil es das war was du wolltest. Aber ich kann dich nun mal nicht leiden, deswegen werde ich dich jetzt auch in ruhe lassen. Das ist das letzte Mal das du was von mir hörst.

Sie konnte es nicht glauben. Jedes Wort fühlte sich so an als würde ein Messer in ihr Herz stechen. Es tat so fürchterlich weh, als sie das las. Die Tränen konnte sie nicht mehr zurückhalten. Sie rollten über ihre Wangen, bis zum Kinn. Es fühlte sich an, wie Dornen die sich in hineinfressen.
Sie war allein daheim; zum Glück. So hätte sie es sich nie getraut, aus dem Zimmer zu gehen. Und das Weinen konnte sie auch nicht mehr unterdrücken. Es kam einfach aus ihr raus, als hätte sie seit Jahren nicht mehr geweint. Sie hatte auch das Gefühl, als würden diese Worte alles in ihr zerstören, verbrennen.... Sie wollte nicht mehr. Er war der einzigste Person der sie vertraut hatte. Der sie alles über sich erzählt hatte. Doch es war alles nur Show.... Er war nicht real, diese Person sie leibte, hasste sie. Sie wollte nicht mehr leben. Alles woran sie geglaubt hatte, war eine Lüge. Und das schlimmste war immer noch, das er es ihr so sagen musste. Er hätte es auch anders tun können....Aber wieso so? Und wieso gerade sie, und nicht eine andere naive Chatterin? Sie sah nicht mehr richtig, ihre Augen waren voller Tränen. Und in ihr brannte es förmlich. Sie konnte sich noch daran erinnern, dass ihre Mutter einmal Schlaftabletten gekauft hatte.... Im Bad mussten sie sein, wie vor einigen Tagen auch noch, als sie per Zufall gefunden hatte.

Sie setzte sich wieder an ihren PC, vor ihr der Posteingang – Keine neuen Nachrichten...Der Deckel des Röhrchens spickte weg, als sie es aufmachte. Darin hatte es einige weiße Tabletten. So klein und doch so gefährlich. Sie nahm sich eine raus und Schluckte sie. Es war ekelhaft; es schmeckte fürchterlich bitter, aber die Tablette verschwand sofort in ihren Magen. Der Rest kann ja nicht schlimm sein, gleich ist es eh vorbei dachte sie und schluckte den Rest der Tabletten auch. Wie lange sie da saß und auf Post von ihm wartete konnte man nicht sagen. Es mussten Stunden gewesen sein. Ihr Kopf wurde immer schwerer, die Augenglieder waren so schwer wie Blei. In ihrem Magen brannte es, doch sie spürte es nicht mehr. Alles war wie durch Watte gedämpft. Der Kopf sank auf ihre Tastertur ihre Augen schlossen sich...das Herz wurde immer langsamer, alles schlief ein. FÜR IMMER (!)

Man fand sie am nächsten Morgen. Tod vor dem PC, in der Hand das leere Röhrchen. Und auf dem Bildschirm, eine Nachricht: Irgendwer musste sie geöffnet haben. Darin stand: - - - - - -

Hallo! Oh Gott, was hat denn mein Bruder für'n Mist geschrieben? Tut mir leid, ich habe das nicht geschrieben....Glaub mir bitte....Ich könnte dir niemals weh tun....Denn..... Ich Liebe Dich!!!