Ich möchte ebenfalls einen Film vorstellen, den ich in diesem Forum bereits an anderer Stelle erwähnte. Er heißt " Secretary " und steht auf meiner Top 10 - Filmliste an Platz fünf.
Wie bei einer ordentlichen Präsentation, hier zu aller erst einige Fakten über den Film.
Orginal Titel: Secretary
Deutscher Titel: Secretary
Produktionsjahr: 2004
Regiesseur : Steven Shainberg
Filmlänge : ca. 106 min
FSK : 16 Jahre
Ich möchte über den konkreten Inhalt des Films gar nicht so viel sagen, das würde viel von der Spannung nehmen.
Ich begnüge mich deswegen damit, die Filmvorstellung der DVD - Rückseite hier zu schreiben. Dazu werde ich im Anschluss noch einige Takte sagen, da sie dem wirklichen Kern des Films und dessen Aussage nicht wirklich nahe kommt, ihn nur etwas streift.
" SECRETARY ist der erotische BLick in die Welt einer Sekretärin, die sich, umgeben von Tipp - Ex und Telefon, der Lust der Unterwerfung hingibt, ohne sich unterwerfen zu lassen. In ihrem Chef begegnet sie einem Mann, der sie beherrscht, ohne sie zu erniedrigen. Und dafür liebt sie ihn. Eine ` unanständige ` Frau nimmt sich ihr Glück jenseits aller Klischees und gängigen Moralvorstellungen. Ihr Weg dorthin reizt oft zum Lachen, ohne sie und ihre Vorlieben jemals der Lächerlichkeit preiszugeben. "
Das steht als, wenn man so möchte, Klappentext hinten auf der DVD.
Damit wird der Film sehr oberflächlich beschrieben.
Tatsächlich bietet er sehr viel mehr: Einblicke in eine ` Ritzerin ` , wenn man so sagen kann und ihre traurige Motivation dazu, ihr Leiden. Die zerrütteten Familienverhältnisse der weiblichen Hauptperson werden anfänglich aber danach nur noch beiläufig geschildert. Sie sind Alltäglichkeiten, die überall vorkommen: Der Vater trinkt, die Mutter ist fürsorglich aber schwach, die typische Co - Abhängige.
Trotz ihrer Krankheit ist die weibliche Hauptperson - im Gegensatz zu ihrer Mutter - nicht schwach, sondern bewirbt sich auf eine Sekräterinnen - Stelle bei einem Anwalt. Eben dieser scheint sie besser zu kennen, als jeder andere, obgleich er ein anfänglich Fremder ist.
Zwischen ihnen bildet sich bald eine spezielle Beziehung heraus, die man, wiederum oberflächlich betrachtet, als sado / masochistisch bezeichnen könnte. Aber auch eben dieser verruchte Ausdruck trifft es nicht wirklich. Denn der Film wird niemals brutal oder erniedrigend. Allein das ist im Klappentext der DVD treffend beschrieben. Zum Ende hin hat der Film sehr zarte, fast zerbrechlich - lyrische Momente und Verse.
Der Film selber wird auf der DVD - Hülle als " schrägste Komödie des Jahres " betitelt. Dem konnte und kann ich nicht zustimmen. Der Film hat sicherlich seine humoristischen Seiten, die in ihrer Intensität und Wirkung brüllendes Gelächter bei mir erzeugten. Aber eine Komödie ist er nicht alleine, das würde ihn zu schmal beurteilen.
Der Film ist in erster Linie und in seiner Tiefe ein Liebesfilm. So einfach kann dieser Satz stehen bleiben. Er beschreibt Spielarten der Liebe, er diskutiert Beziehung zwischen Mann und Frau. Er spricht sich aus über psychische Abhängigkeiten in einer Beziehung, wie wir sie alle kennen und schon einmal gespürt haben. Was den Film besonders macht: Er urteilt nicht über die beiden Hauptpersonen, er läßt sie glücklich werden, so wie sie beide im Innersten wirklich sind. Man hat am Ende des Films in keinster Art und Weise den Eindruck, hier hätten sich zwei unglückliche Menschen zu einem halben Glück zusammen gezwungen. Auch der Versuch der männlichen Hauptperson, dieser Beziehung zu entkommen - im grunde will er vor seinen eigenen Neigungen flüchten - haben mich sehr beklommen und traurig gemacht. Aber: Dieser Film hat ein Happy - End und sie werden wieder zueinander finden.
Der Film lebt absolut und eigentlich von seinen beiden großartigen Hauptprotagonisten, dem bekannten 80er - Jahre - Juppie Schauspieler James Spader und der nicht unbedingt klassisch schönen ( zum Glück! ) aber sehr ausdrucksstarken Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, deren Karriere ich seit diesem Film genaustens beobachte.
Ich habe beim Zeigen dieses Films in meinem Bekanntenkreis drei Kategorien Zuschauer ausgemacht:
1. Die " Wir machen den Film jetzt, nach knappen zwanzig Minuten, aus " - Kategorie.
2. Die " Wir haben den Film einmal ganz geschaut und er ist okay " - Kategorie.
3. Die " Wir haben den Film einmal gesehen, zweimal, dreimal, viermal - und immer wieder gibt es mehr Details " - Kategorie.
Der Film lebt nebenbei sehr von seinen Details, die auch mir nicht beim ersten Anschauen gewahr wurden. Es lohnt sich sehr, diesen Film öfters zu schauen. Die Leute der Kategorie 1 werden dem nicht zustimmen können. Aber da ist auch okay. Der Film will nicht für alle da sein und jeden befriedigen.
Das hat er auch gar nicht nötig.
Fazit: Wer einmal einen Liebesfilm abseits des gängigen, mich persönlich ermüdenden Klischees sehen möchte, der zudem noch die Mißstände geometrisch, " sauberer " amerikanischer Vorstädte aufzeigt, der sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.
Es lohnt sich sehr.